Ein Dialogabend zum Thema Hitze

43 Grad

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Baden in der Dreisam


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43,1 Grad am 23.6.2026! Das war die höchste bisher in Freiburg gemessene Temperatur, am städtischen Hitze-Hotspot, der Uni-Klinik. Grund genug für uns, dem Thema „Hitze“ einen eigenen Dialogabend zu widmen. 

Sie betraf und betrifft so gut wie alle, wenn auch, wie sich zeigte, in recht unterschiedlichem Ausmaß. Und die nächste Hitzewelle steht bereits vor der Tür. Dennoch war es das erste Mal, dass wir einander in dieser Form erzählen konnten, wie es uns während der Hitzewelle ging, wie wir uns gefühlt haben und was und diesbezüglich beschäftigt (hat).

Kleingruppe 1


Eine Aufstellung zu Beginn ergab, dass lediglich drei der zwölf anwesenden Teilnehmer:innen nicht oder kaum unter der Hitze gelitten haben, weil sie in vergleichsweise kühlen Wohnungen leben oder Zugang zu kühlen Räumen hatten. 

Auf einer Skala von 0 (kein Problem mit der Hitze) bis 10 (die Hitze hat mich sehr belastet) gab es neben einem starken Mittelfeld auch mehrere Teilnehmer:innen am oberen Ende der Skala. Die beiden mit dem höchsten Wert (9 bzw. 10) einigten sich schließlich auf den Wert 9, obwohl es für beide „eigentlich unerträglich, also 10“ gewesen sei. Warum? Es sei ja schließlich zu erwarten, dass es in Zukunft noch schlimmer werde…

 

Persönliche Erfahrungen einer Teilnehmerin an diesem Ende der Skala: Wohnräume mit 34-35° (ein Hinterhof im Stühlinger ohne Zugluft), wiederholte Ohnmacht-ähnliche Zustände, ein weitgehendes Ausblenden der Welt (und der Menschen) um sie herum und eine Art Regredieren in einen bloßen Überlebensmodus („Meine Gedanken kreisten mehr um mich, me first“) – für die Betreffende selbst eine eher erschreckende Beobachtung.

Eine andere Teilnehmerin sagte: „Es hat mich zusammengeschnurrt. Ich wollte nicht mehr raus, jede Bewegung zu anstrengend. Aber mir ist Bewegung so wichtig – was also sollte ich tun?“

Eine dritte erzählte von ihrer Strategie, tagsüber an den Schluchsee zu flüchten. „Aber das ist natürlich mit Zeit und Kosten verbunden, keine Dauerlösung“ und nicht mit jeder beliebigen Art von Arbeit vereinbar.

Andere Stimmen berichteten etwa von einem Seniorenheim, in dem nur solche Bewohner mit Zusatzversicherung einen Ventilator erhalten hätten, von Schulen, in denen die Temperatur gar nicht erst gemessen wurde, „denn sonst hätte man ja etwas tun müssen“, oder von ihrer Sorge um Vegetation. Denn „wenn die eingeht, wird es mit der Hitze noch viel schlimmer“. 

So verlagerte sich denn im Laufe des Abends, im Zuge dessen wir wie üblich das Thema mit Hilfe verschiedener Gesprächsformen und Methoden betrachteten, der Fokus naturgemäß von persönlichen Erfahrungen zu größeren, gesellschaftlichen und politischen Fragen.
 

Plenum mit Redestab


Drei Themen haben die Gruppe dabei besonders bewegt: 

1. die Frage, ob und inwieweit „unser heutiges Wirtschaftssystem das Problem lösen kann“ (das im Grunde ja u.a. durch dieses System entstanden ist)? Während etwa unsere Rechenzentren, die KI usw. in erheblichem Ausmaß zusätzliche Wärme produzieren, ist – bzw. wäre eine intakte Natur eigentlich der beste Klimaschutz.

2. die Frage, wie wir als Gesellschaft für einen fairen sozialen Ausgleich zwischen den Verursacher:innen (u.a. sehr vermögende Menschen) und den Betroffenen des Klimawandels sorgen können. Wie können wir insbesondere den exzessiven Konsum weniger auf ein klimaverträgliches Maß reduzieren und dessen Träger:innen stärker in die Pflicht nehmen?

3. Wie schaffen wir schließlich mehr Raum für derartige Gespräche über ein so existenzielles Thema?

Diesen und ähnlichen Fragen gingen wir im letzten Teil des Abends ein gemeinsames Brainstorming im Stil von Dynamic Facilitation nach. Gefragt waren Problemwahrnehmungen, Lösungsvorschläge, Bedenken und sonstige relevante Informationen.
 

Elke bei DF

Dieser stärker kokreative und lösungsorientierte Fokus war für die Aktion Brückenschlag ungewöhnlich und neu. Dass wir hierfür am Ende nicht mehr Zeit hatten, wurde von mindestens einer Teilnehmerin, sowie auch von mir selbst als „nicht ganz rund“ empfunden. 

Dennoch hob eine Stimme in der Schlussrunde ausdrücklich hervor, dass ihr dieser Abschluss – nach anfänglicher Entmutigung und Hoffnungslosigkeit – wieder positive Energie und neuen Mut gegeben habe („die Schwere hat sich aufgelöst“). 

Eine andere bedankte sich mit den Worten: „Es war gut, den Raum zu haben, es war ein wertvoller Raum. Ein demokratischer Übungsraum – ich konnte hier Aufatmen!“

Kleingruppe 2


Wenngleich man sich noch mehr Zeit für andere relevante Aspekt gewünscht hätte – etwa die Frage, was eigentlich aus dem Klima-Bürgerrat in Freiburg geworden ist – oder das Anliegen, aktiver zwischen den Generationen zu sprechen, so war dieser Abend doch dicht und intensiv. 

Ein Mitglied des Teams sagte: „Ich fühle mich durchgenudelt! Und zugleich schätze ich den Raum für Nichtwissen.“

Eine weitere Stimme teilte diese Beobachtung: „Dieser Abend war anders: Wir hatten mehr Zeit, weniger Druck. Das Thema war zwar nicht so kontrovers, aber trotzdem war es in mir nicht weniger kontrovers…“. Mit anderen Worten: Es gab mehr Spannung im Innern – und den Raum, um diese wahrzunehmen und zu bearbeiten.

Auch wenn, wie eine Teilnehmerin beklagte, unsere Gesellschaft uns durchweg ein anderes – ein zu hohes Tempo abverlangt („die Welt dreht sich trotz der Hitze weiter wie bisher, die Taktung ist zu schnell!“), hat dieser Dialogabend auch gezeigt: 

Wenn wir so – achtsam und entschleunigt – miteinander sprechen, bringt uns das einen Schritt weiter zur notwendigen Transformation der Gesellschaft.
 

TN am Buffet