Soziokratie als Instrument einer integrale(re)n Politik

Dr. Elke Fein

„Spannung erzeugt Licht“, so das Motto von Gerald Endenburg, dem Begründer des ersten Soziokratie-Zentrums in den Niederlanden.

Tatsächlich birgt die Soziokratische Kreisorganisationsmethode (SKM) eine integrale Kombination von Tools, Haltungen und Praktiken, um all das in einem System ans Licht zu bringen, was bis dato möglicherweise eine effektive, freudvolle und konstruktive Zusammenarbeit verhindert hat. Dies gilt sowohl für die Mikroebene der Familie, für kleinere und größere Gruppen und Organisation bis hin zu ganzen Gesellschaften.

Meine Motivation für eine Ausbildung in Soziokratie liegt denn auch darin, ein wichtiges Werkzeug für eine integral(er)e Politik besser kennen- und handhaben zu lernen.

Nicht zufällig bezog sich die Vision des Begründers der Soziokratie, Kees Boeke, auf die Demokratie als politische Organisationsform. Auch wenn es uns heute befremdlich vorkommen mag, „das Parteiensystem und die Mehrheitsregel sind kein wesentlicher Bestandteil der Demokratie“, so Boeke in seinem 1945 erstmals veröffentlichten Plan „für eine Demokratie, wie sie sein könnte. (…) Wir sind so an die Mehrheitsherrschaft als notwendigen Teil der Demokratie gewöhnt, dass es schwer vorstellbar ist, dass ein demokratisches System ohne sie funktionieren könnte“, so Boeke weiter. Doch seien ihre Schwächen mehr als deutlich genug sichtbar: „endlose Debatten im Parlament,  Massenversammlungen, in denen die primitivsten Leidenschaften geweckt werden, das Überstimmen aller unabhängigen Ansichten durch die Mehrheit, stimmungsabhängige und  unzuverlässige Wahlergebnisse, Maßnahmen der Regierung, die durch die anhaltende Opposition der Minderheit ihre Effizienz verloren“ usw.

Dagegen setzte der Reformpädagoge Boeke die Vision einer „echte(n) Gemeinschaftsdemokratie, eine(r) Organisation der Gemeinschaft durch die Gemeinschaft selbst“, die er „Soziokratie“ nannte. Er bezeichnete sie als „wirklich demokratisch“, da „sie es jedem von uns ermöglicht, sich an der Organisation der Gemeinschaft zu beteiligen“. 

Boekes Konzept der Soziokratie ist an die Selbstverwaltungsmethode der Quäker angelehnt, die die Mehrheitsentscheidung ablehnt und stattdessen für alle Gruppenaktionen Einstimmigkeit verlangt. Darauf aufbauend experimentierte er jahrelang in seiner Schule in Bilthoven mit den folgenden drei Grundideen: dass

1. die Interessen aller Mitglieder berücksichtigt werden müssen, wobei sich der Einzelne den Interessen des Ganzen beugt,

2. Lösungen gesucht werden müssen, die jeder akzeptieren kann: Andernfalls können keine Maßnahmen ergriffen werden,

3. alle Mitglieder bereit sein müssen, einstimmig nach diesen Entscheidungen zu handeln. 

Auf dieser Grundlage entstehen Vertrauen, reale Mitbestimmung und Freude am gemeinsamen Tun.

Im Frühjahr 2021 habe ich das Modul 1 der Soziokratie-Ausbildung bei Anja Sagara Ritter besucht und im Oktober 2021 das Modul 2 "Soziokratisch zusammenarbeiten im Team" bei Susanne Käser in Bern absolviert. Tolle, anwendungsoriente Seminare, die die Funktionsweise soziokratischer Kreise praktisch erfahrbar machten und reichlich Gelegenheit zum Üben der soziokratischen Moderation boten.

Es wäre toll, wenn sich diese Methode weiter verbreiten würde! Daher bietet das IFIS im Januar einen Einführungskurs (Modul 1) in Freiburg an. Dabei geht es um die Grundlagen der Soziokratischen Kreisorganisationsmethode (SKM) und das effektive Gestalten von Meetings.

Nähere Informationen unter infoatifis-freiburg [dot] de


Rückfragen und Anmeldung: bitte per email an soziokratie-freiburgatposteo [dot] de (soziokratie-freiburg(at)posteo.de) (Simone Specht)